Letzter Tag auf Elba

Vier Nächte genossen wir den Schutz vor heftigem Wetter in der Bucht von Portoferraio. Heute Morgen war der Regen abgezogen und der Wind ganz abgeflaut. Also sind wir die 12 Meilen um die Ecke nach Porto Azzurro gefahren.

Da ab jetzt ruhiges Wetter zu erwarten ist, legten wir bei ca. 9m Wassertiefe nur 30m Kette. Mit beiden Motoren im Rückwärtsgang haben wir den Anker tief im Sand eingegraben – der hält wie einbetoniert.

Einige Haushaltsarbeiten hielten uns noch ab, aber dann konnten wir unseren kleinen Landgang antreten.

Ein Steg nur für die Beibote

Die erste Überraschung war, dass es einen schönen Steg gibt, der nur für die Beiboote der Ankerlieger reserviert ist. Das sieht man sehr selten.

Mittagsruhe
Laden zu, Restaurants zu.

Um 15:30 ist Elba in Mittagsruhe. So schlenderten wir durch das schlafende Städtchen.

Mit der Waage kann man den Esserfolg direkt am Restaurant messen.
Eine gar nicht feige Feige an der Wand bei der Töpferei.
Am Kai des Hafens stehen einige Skulpturen.
Lebendig oder Stein?
Nicht mein Pferd

Zurück zur Silent-Sea
Abendstimmung am Ankerplatz

Mayday mayday Hund über Bord

Friedlich vor Anker in der Bucht von Portoferraio. Plötzlich ein schriller Funkspruch von der auslaufenden Fähre: im Wasser ist ein kleiner weisser Hund gesichtet worden!

Mit einem Mal wird es ganz geschäftig um uns. Menschen strömen auf die Decks, Ferngläser vor den Augen, Beiboote werden gestartet und rauschen Richtung Kanal, über Funk die Fragen nach RasseGrösseGewicht, als wäre diese Info für die Rettung des Tieres von Wichtigkeit, alles nimmt Anteil an diesem dramatischen Vorfall.

Die „Undermark“ meldet sich mehrfach. Hat sie den Hund verloren oder gefunden? Ich verstehe es leider nicht, die Funkverbindung ist brüchig.

Aber endlich Entwarnung mit den ersehnten Worten: meno male, meno male, ein Glück, ein Glück!

Ein erleichtertes Aufatmen geht durch die Ankerbucht. Alle hatten den Hund verloren und alle haben ihn wiedergefunden!

Ein Gastbeitrag von unserer Mitreisenden Claudia Amba Urbach.

Sicher auf Elba

Über das ganze Mittelmeer weht ein heftiger Mistral. Das Bild zeigt, wie er vor allem bei Marseille aus dem Rhonetal heraus bläst. Vor Sizilien, aber auch Rom oder Neapel sorgt er für große Wellen.

Uns auf Elba trifft nur ein leichter Ausläufer, der nördlich von Korsika auf Elba zu läuft. Von vielen Korsika-Törns wissen wir, dass es auch dort jetzt sehr ungemütlich ist.

Einfahrt bei Portoferraio

Wir haben diese Wetterlage kommen sehen und haben rechtzeitig die Bucht von Portoferraio auf Elba angesteuert. Hier liegen wir absolut sicher vor Anker. Die Stadt bietet alles, was man so braucht.

Regenschauer

Es sind nun fast drei Wochen, seit wir in Spanien aufgebrochen sind. Wir hatten allermeistens ideales Wetter und Temperaturen um die dreißig Grad. Die sanfte Abkühlung auf 20° tut gut. Und im 25° warmen Wasser kann man trotzdem schwimmen.

Noch sitzt Claudia im trockenen.

Morgen werden sich Wind und Meer beruhigt haben und wir fahren weiter nach Süden.

Gianna tutta panna

Im kleinen Hafen von Populonia erhalten wir eine kleine Einführung in gelebte Lebensweisheit.

Hinter uns nähert sich unter fetziger Beschallung eine kleine weisse Ape, sie stoppt vor uns und heraus tanzt eine pittoreske, strahlende, farbenreiche Erscheinung.

Die Ape mit Gianna tutta panna

Sie öffnet die Heckklappe und unter freudigem Geschnatter mit den Herbeieilenden beginnt sie, ihre herausgezauberten Köstlichkeiten zu verteilen. Das ist die Begegnung mit „Gianna tutta panna“, „Gianna ganz aus Sahne“, und sie hätte keinen besseren Namen für ihr Gewerke finden können.

Gianna und Simon

2020, als alle unter Corona schwitzten, beschloss sie. ihrem Herzensruf zu folgen. Sie beendete ihre 20 Jahre lang brav ausgeführte Arbeit in der Modebranche, nähte sich ein flottes Kleid im Stile der 50’er, band sich Haare und Ärmel hoch, investierte ein wenig in die kleine klapprige Ape und eine Eismaschine, entwickelte dieses ach-so-herrliche Logo, feilte sich eine handvoll kurioser Eissorten zurecht und seit dem beglückt sie die Menschen mit ihren Köstlichkeiten und mit ihrem Strahlen.

Sie sagt, Corona ist das Beste, was mir passieren konnte. Ich habe das gefunden, was mein Herz erfreut. Sie reicht uns das Eis. Und obendrauf setzt sie einen wunderschönen Sahnehut und lacht.

Wir sind ganz beseelt. Von der Begegnung und von dem Eis. Danke, Gianna tutta panna.

Ein Gastbeitrag von unserer Mitreisenden Claudia Amba Urbach.

Klima retten oder was?

Wenn man das so sieht, steigt die Motivation, mal kurz nachzuschauen:

 So ist der Schiffsverkehr auf den Weltmeeren schon heute für circa 2,6 Prozent der klimaschädlichen globalen ⁠CO2⁠-Emissionen verantwortlich. 2015 betrugen diese ca. 932 Millionen Tonnen CO2 (ICCT Report 2017, S. 14). Das sind mehr als die gesamten Emissionen Deutschlands im Jahre 2019 in Höhe von 810 Millionen Tonnen CO2-Equivalente (2020). Schätzungen deuten darauf hin, dass ohne politische Gegenmaßnahmen die CO2-Emissionen des Seeverkehrs in Abhängigkeit von der ökonomischen Entwicklung bis 2050 sogar um 50 bis 250 Prozent (1.407 bis 2.345 Mio. Tonnen) im Vergleich zu 2012 (938 Mio. Tonnen) ansteigen könnten (Third IMO GHG Study 2014).

https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/meere/nutzung-belastungen/schifffahrt#fakten-zur-seeschifffahrt-und-zu-ihren-auswirkungen-auf-die-umwelt

… Das sind mehr als die gesamten Emissionen Deutschlands…

Schon seit Jahrzehnten hätte man hier ansetzen können. Statt dessen werden die kleinen Leute mit oft sinnlosen Verboten und Regeln malträtiert. Zum Beispiel mit Umweltzonen und Fahrverboten in Hamburg direkt neben dem Hafen. Und nebenbei wird die Grundlage unseres Wohlstands zerstört.

Ist unsere „Klimapolitik“ wirklich zielführend oder geht es um etwas ganz anderes?

Populonia

Gestern erreichten wir Populonia, gegenüber vom schönen Elba. Populonia ist eine uralte Siedlung, die zwischen dem 7. und 4. Jahrhundert vor Christus eine wichtige Stadt der Etrusker war. In der Bucht von Baratti legten wir unseren Anker auf 5m Wassertiefe vor einen der schönsten Strände der Toskana.

Baratti

Direkt hinter dem Strand ist eine große Ausgrabungsstätte. Man kann 2.700 Jahre alte Grabstätten sehen sowie Ausgrabungen der Anlagen zur Eisenverhüttung, welche die Etrusker schon 700 vor Christus betrieben haben. Trotz der großen Hitze haben wir uns auf den Rundgang gemacht.

Eine von vielen Grabkammern
Gräber im Steinbruch
Eine gemütliche Gruft der Etrusker

Das Eisenerz haben Sie vom nahe gelegenen Elba geholt. Unweit der Stadt Portoferraio, auf deutsch Eisenhafen, haben sie das Eisenerz abgebaut und mit Schiffen zu diesem Strand gebracht. Hinter dem Strand von Baratti wurde aus dem Erz das Eisen gewonnen und teilweise in Schmieden gleich zu Produkten verarbeitet.

Portoferraio auf Elba

Später haben sich die Etrusker mit den Römern verbündet. So kam es, dass das römische Heer mit Eisen aus Populonia ausgerüstet wurde. Dieser Industriestandort lebt bis heute fort. Nur wenige Km entfernt liegt das moderne Stahlwerk Piombino.

Wieder am Schiff machten wir uns ein leckeres Abendessen und genossen den ruhigen Abend.

So wird sogar die Arbeit am Jahresabschluss erträglich.

Nachtfahrt nach Portofino

Wir haben uns entschieden, noch in der Nacht auf Dienstag den Hafen zu verlassen. So wollten wir das ruhige Wetter nutzen und den Tag in Rapallo oder Portofino nutzen. Um 22 Uhr machten wir die Leinen los und verabschiedeten uns per Funk beim Hafen.

Leise gleiten wir in die Nacht.

Langsam erblassten die Lichter von Imperia und wurden abgelöst von denen von Savona. Bei uns herrschte weitgehend Stille. Nur das Rauschen des Wassers unserer Propeller. Darüber lag ein leises BumBumBum-TockelTockelTockel der Diskotheken an Land – mehr als zehn Meilen weit entfernt. Was tun sich die Menschen dort an …

Gegen drei Uhr konnte man Genua erahnen. Nach sechs Uhr kündigte die Sonne den neuen Tag an.

Land in Sicht.

Auf den Massentrubel in Rapallo oder Portofino hatten wir dann doch keine Lust. Deswegen hielten wir uns ein bißchen nördlicher.

San Fruttuso wird sichtbar

Um acht Uhr machten wir an einer Boje vor dem Kloster San Fruttuso fest.

Kostenlose Bojen San Fruttuso

Wir genossen einen gemütlichen Tag mit Schwimmen, Paddeln und Spaziergang an Land.

San Fruttuso am Strand

Imperia

In Imperia haben wir in 2005 unsere Fastnet-Lady gekauft. Über dieses gute Schiff wollen wir hier aber nicht erzählen.

Imperia wurde für uns zu einer zweiten Heimat. Von hier aus haben wir dreizehn Jahre lang viele schöne Törns gemacht. Korsika und Sardinien waren unsere Ziele im Sommer. Um Silvester waren wir oft mit Pietro und Daniela an der Côte d’Azur.

Im Stadtteil Onelia

Im Frühjahr 2018 haben wir unseren Liegeplatz in Imperia aufgegeben und starteten unsere große Reise. Ohne Heimathafen gab es keinen eingrenzenden Radius mehr. Wir waren damals nach Osten aufgebrochen und sind den Stiefel runter. Nach Malta, rund Sizilien, rüber nach Griechenland, durch die Dardanellen nach Istanbul, von dort bis nach Poti in Georgien und zurück bis nach Rhodos im Süden Griechenlands.

Piazza Sant‘ Antonio

Dann kam Corona und wir waren froh, in diesen zwei Jahren die Ägäis erkunden zu dürfen. In 2022 haben wir in Lavrion bei Athen unsere geliebte Fastnet Lady verkauft. Jetzt kamen wir mit einem ganz anderen Schiff von Osten aus Spanien wieder nach Imperia zurück. Ein guter Grund, hier ein paar Tage zu bleiben.

Angeblich das beste Eis in Ligurien

Und was macht der Skipper im Hafen? Er repariert eine Computerplatine, die an einem Stromschlag gestorben ist.

Jetzt werden unsere aktuellen Schiffsdaten wieder in die Cloud übertragen.

Im Hafen von Imperia

In der Nacht auf Dienstag haben wir Imperia verlassen und sind 60 Meilen nach Osten gefahren.

Port Gros

Vor vierzig Jahren begannen wir die Segelei. Zwei Jahre waren wir Chartergäste und ‚Mitsegler‘. Unser Skipper war groß in seiner Unfähigkeit. Wir standen vor der Wahl, entweder aufzuhören oder selber Skipper zu werden. Wir entschieden uns für Letzteres.

Begleitend zu unserem durchaus anstrengendem Berufs- und Familienleben haben wir nebenbei eine qualifizierte Ausbildung erarbeitet. Martina und ich haben fast alle Scheine, die man machen kann. Dazu haben wir Sonderkurse bei der Bundesmarine und dem DSV gemacht.

In den folgenden 15 Jahren haben wir regelmäßig Segelschiffe gechartert. Meistens in Südfrankreich in Le Lavandou oder Bormes les Mimosas. Von dort aus ist es nur ein Katzensprung zur Insel Port Gros. Nach 1000 km Autofahrt haben wir die Schiffe übernommen und sind gleich rüber zur liebenswerten Insel Port Gros. Hier war immer unser Absprung nach Korsika und zum freien Leben.

Gestern lag Port Gros auf unserer Route und wir machten an einer Boje fest. Es war sehr schön, wieder da zu sein.

Wie fühlt sich ein Elektroantrieb an?

Ein batterie-elektrischer Antrieb auf einem Schiff unserer Größe ist neu. Wir erzählen euch unter verschiedenen Aspekten über diese Antriebsform. Heute schauen wir mal, wie sich das Fahren anfühlt.

Herkömmliche Yachten werden mit Dieselmotoren angetrieben. Oft haben die Schiffe zwei Motoren und zwei Propeller. Zum Einen dient das der Sicherheit, weil man bei einem Motorschaden immer noch einen Motor hat, um sicher in einen Hafen zu kommen. Zum Anderen kann man mit zwei Propellern im Hafen auf engem Raum gut manövrieren. Wenn man die Propeller gegenläufig drehen lässt, kann man sogar auf der Stelle drehen. Katamarane haben immer zwei Motore. In jedem Rumpf einen.

Bei uns ist das genauso, nur dass wir in jedem Rumpf einen Elektromotor haben. Diese laufen sehr leise und produzieren keine Abgase. Das fühlt sich sehr gut an.

Wir fahren mit 6,5 Knoten. Vorne am Bug hört man nur ein leises Plätschern.

Am Heck rauscht das Wasser, das von den Propellern angetrieben wird.

Das Schiff wird vom Autopiloten gesteuert. Man muss aber ständig Ausschau halten. Dafür haben wir eine perfekte Rundumsicht.

Einen Teil unseres Solardachs können wir hydraulisch nach oben heben. Dann können wir auch oben sitzen und steuern. Dort ist es besonders ruhig.

Hier fahren wir mit wenig Motorleistung 4,5 Knoten. Kurz zuvor hatten wir kurz angehalten und dem Segler Platz gemacht. Der fährt mit seinem bunten Gennacker etwa drei Knoten schnell.

Das Fahren mit elektrischem Antrieb ist sehr angenehm; Leise und ohne Abgase. Eines muss aber auch gesagt werden: So ein Antrieb ist nur etwas für Leute mit Segler-Mentalität. Motorbootfahrer, die lieber 100l Diesel pro Stunde oder mehr verbrennen, werden mit einem Elektroschiff eher nicht glücklich.

Woher der Strom kommt schauen wir uns demnächst an.