Nachdem wir von Taormina über Catania und Syracus nach Süden getingelt waren, ist es Zeit, Sizilien für eine Weile zu verlassen.
Wir verbringen noch einen ruhigen Nachmittag vor der Ortschaft Porto Palo am Kap Passero.
Die Möven sprechen hier einen seltsamen Dialekt. Es klingt, als wenn sie mit Ziegen kommunizieren.
Gegen 19 Uhr verlassen wir den Ankerplatz und nehmen Kurs auf Gozo.
Radar und AIS leiten uns sicher
Wir haben ruhiges Wetter und fahren mit 5 Knoten durch die Nacht. Mit diesem Tempo könnten wir locker aus der Batterie nach Malta kommen. Zur Sicherheit haben wir bei 30% den Generator für eine Stunde laufen lassen.
Gegen 07 Uhr erreichen wir das Nordkap von Gozo.
Bald danach fällt der Anker in der fantastischen Dwejra Bay.
Wir liegen direkt vor den großen Höhlen. Mit dem Beiboot tasten wir uns tief hinein.
Nach der Fahrt durch die Nacht ist Dwejra Bay ein echtes Highlight.
Alle Winterarbeiten sind geschafft und die Silent-Sea ist klar für die neue Saison.
Die neuen Solarpanels auf dem Hubdach waren das größte Winterprojekt.Dennis aus Berlin hat uns bei der Montage der Panele tatkräftig unterstützt. Einer der letzten Abende in Riposto
Heute haben wir unseren Winterhafen Riposto auf Sizilien verlassen. Weit sind wir nicht gefahren aber wir freuen uns, endlich wieder vor Anker zu liegen.
Taormina
Wir werden noch eine Weile im Raum Catania bleiben und warten auf liebe Gäste. Ab dem 25. Mai geht es richtig los. Zuerst Syracus, weiter um die Südostecke Siziliens und dann nach Malta.
Im Juli wollen wir nach Tunis fahren und im September Sizilien umrunden.
Trinacria
PS: Die vorigen zwei Blog Einträge erzählen von den wichtigsten Ereignissen des vergangenen Winters.
Wichtigstes Projekt in diesem Winter waren die neuen Solarpanele auf unserem Hubdach. Da wir mit Elektromotoren fahren, sind die Solarpanele auf unserem Dach besonders wichtig. Egal, ob unterwegs oder am Ankerplatz, sie sammeln den ganzen Tag viel Energie. Im Sommer können das über 50kWh pro Tag sein. Sie versorgen den Haushalt des Schiffs und laden die Batterien für den Antrieb.
Im Vorderen und hinteren Bereich haben wir normale Solarmodule, wie sie auch auf Hausdächern installiert werden.
Mit natürlicher Energie unterwegs
Im mittleren Bereich können wir das Dach hydraulisch anheben. Dort dürfen die Solarpanele nicht so schwer sein. Deshalb waren dort semifexible Module angebracht. Diese sind leicht, weil sie mit Kunststoff statt Glas gemacht sind. Sie werden auf Schiffen normalerweise aufs Deck geklebt. Das Problem ist, dass sie nach wenigen Jahren von der Sonne zerstört sind und ausfallen.
Semifexible Module am Hubdach
Im letzten Herbst waren zwei Drittel dieser Module tot. Ein Austausch stand an. Wir wollten nicht nochmal denselben Mist aufkleben und suchten nach Alternativen. Diese bot die Firma SunOyster.
Glas, 3mm dick, leicht.
Diese Module aus Glas werden sehr lange funktionieren. Sieben Stück passen auf das Hubdach und bringen die selbe nominale Leistung wie 27 neue Module aus Kunststoff.
Die Umsetzung des Projektes brauchte aber viel Energie. Wir ließen die Module von einem Shiply-Transporter von Hamburg nach Mannheim bringen.
Dann mieteten wir für einen Monat einen Transporter und packten die Module, Werkzeuge, Maschinen und Kleber ein. Weil noch Platz war, nahmen wir die Mountainbikes mit.
Ganz vorne die Neuen Module
900km nach Genua. Um Mitternacht auf die Fähre nach Palermo….
24 Stunden später nochmal 250km …
… und schon war alles in Riposto. Aber dann fing das Grauen an. Die Module waren nicht mit dem lösbaren Originalkleber befestigt sondern vollflächig mit Sikaflex aufgeklebt.
Kreissäge, Fein, Staubsauger
Ich habe die Module mit der Kreissäge in 5cm breite Streifen geschnitten und dann mit dem Fein-Schwingmesser abgelöst.
Eine endlose Fläche. Es war mit Unterbrechungen durch stürmische Regenschauer eine Arbeit für zwei Wochen.
Einige solcher Stapel wanderten in den Sondermüll.
Geschafft. Die neuen Zellen werden ins Schiff geladen. Die Werft wird das Dach schließen und neu lackieren.
BG – wegschauen!!!
Das Auto muss zurück, also fahren wir wieder zur Fähre nach Palermo und ab Mitternacht von Genua nach Mannheim. Drei Wochen später kommen wir mit dem Flieger nach Catania zurück.
Catania vor dem Ätna
Am selben Tag noch setzt uns die Werft ins Wasser und wir sind klar für den zweiten Teil der Baustelle.
Wir erwarten etwa 85m Kleberraupen. Da ist eine elektrische Kartuschenpistole absolut notwendig.
Die Position jedes Panels habe ich genau angezeichnet. Alle Kabeldurchführungen sind fertig und die Elektrik betriebsbereit. Präzise legen wir die Kleberraupen und platzieren kleine Buchenholzplättchen um den 3mm Abstand zur Dachfläche zu sichern.
Es ist ein schöner Tag. Wir arbeiten konzentriert und präzise.
Der Ätna in leichten WolkenTaormina im Hintergrund
Am Abend ist alles fertig. Der 3.300m hohe Ätna feiert mit uns.
Am nächsten Tag. Die Baustelle ist aufgeräumt. Wir besichtigen unser Werk mit der Drohne.
Der Zyklon Harry hat vom 20. bis 22. Januar 2026 Sizilien schwer getroffen. Es wird von Wellen bis 16m Höhe berichtet. Segler, die während des Sturms in unserem Hafen Riposto waren, erzählten, dass über 24 Stunden die Hafenmauer von Riposto im 10-Sekundentakt überspült wurde. Nicht schaumige Gischt. Wellen mit einem Meter hohem Wasser!
Im Hafen war die Hölle los. Die Schwimmstege haben sich losgerissen und trieben samt den daran befestigten Schiffen. An unserer Pier wurden Schiffe mit dem Heck auf das Land geworfen und schlugen Leck. Einige Boote sind gesunken.
Während des Sturms waren wir zuhause und sahen die aktuellen Wetter- und Wellenberichte. Wir sahen schon die Silent-Sea sinken. Noch während der Katastrophe buchte ich einen Flug nach Catania und war zwei Tage später da.
Die Bilder sprechen für sich.
Wir haben auch Schäden, sind aber glimpflich davongekommen. Im März haben wir einen Termin auf der Werft und können das reparieren lassen.
Wir sind schon seit Jahrzehnten mit Schiffen im Mittelmeer unterwegs und haben schon viele Waldbrände gesehen.
Ganz übel war es 2021 im Norden von Euböa. Die Insel brannte und wir sahen aus 3 Meilen Entfernung zwei Dörfer in Flammen aufgehen. Die Küstenwache holte die Menschen vom Strand ab. Im deutschen Propagandaradio DLF wurde gleichzeitig berichtet, dass deutsche Hubschrauber auf Euböa im Einsatz wären. Glatte Lüge. Es war kein einziges Flugzeug dort. Die Griechen hatten alle Feuerabwehr auf die Industriegebiete nördlich von Athen konzentriert. Eine richtige Entscheidung. Aber warum faselt der DLF immer Meinung und Haltung statt Nachrichten?
Über den Waldbrand vor drei Wochen in Montenegro hatten wir berichtet.
Gestern ging es in Saranda, Albanien wieder los. Wir wollten mit dem Auto in die Berge zum berühmten Blauen Auge und den Wasserfällen. Wenige Kilometer vor dem Ziel sahen wir aufsteigenden Rauch.
Trotzdem sind wir die Schotterstasse noch zwei Kilometer weitergefahren. Mit uns ist niemand gefahren, außer einem roten Allradsuzuki, der an uns vorbei gerast ist. Als uns etwa ein Dutzend Autos entgegen gekommen war, wurde uns klar, dass wir besser umdrehen.
Wir lagen am Zollkai von Saranda und hatten eine perfekte Aussicht auf die Fähren und die lauten Diskopiraten in der Bucht.
Heute morgen war die ganze Stadt voller schwarzer und grauer Asche. Sie schwamm im Wasser und unser Schiff war wieder so dreckig wie neulich in Montenegro.
Mit Hilfe unserer lieben Agentin Leljia haben wir aus Albanien ausgecheckt und sind die 15 Meilen nach Korfu gefahren.
Zum Bewältigen der griechischen Einreisebürokratie bin ich alleine an Land gefahren. Martina hat so lange an Bord viel Dreck weg gemacht. Vier Stunden später sind wir gemeinsam an Land und haben im nächsten Restaurant einen schönen Fisch gefuttert.
Im Dinghi zurück zum Schiff sahen wir, wie das Feuer in Albanien sich entwickelt hat. Zur Erklärung: das Feuer ist etwa 30km entfernt. Die scheinbare Zweiteilung des Fotos verursacht unser Ankerlicht.
Jetzt ist die ganze Region in der Höhe voller Rauch.
Albanien hat nicht viele Ankerbuchten, wo man sicher und in angenehmer Umgebung eine Nacht oder auch ein paar Tage bleiben kann. Der schönste Ankerplatz ist Porto Palermo.
Die Bucht wird am südlichen Ende durch eine Halbinsel begrenzt, auf der eine Burg aus dem 17. Jahrhundert liegt.
Das Land rund um die Bucht fällt steil ab in das tiefe, klare Wasser.
Die Burg ist gut erhalten und bieten einen interessanten Rundgang.
Der kleine Strand an der Landverbindung ist sehr belebt.
Wir ankern an der Ostseite der Bucht, wo der hohe Berg steil aufteigt.
Als erfahrene Fahrtensegler wissen wir, was das bedeutet: in der Nacht, wenn die Steine kalt werden, das Meer aber warm bleibt ist hier mit starkem Wind zu rechnen, der vom Berg herabfällt.
Also haben sind wir nicht ganz so nah ans Land und haben auf 25m Tiefe 80m Kette gesteckt. Der Wind kam, unser Anker hielt und so gingen wir irgendwann schlafen.
Zwischen uns und dem Land lag ein Segler aus Italien, der leider nicht so vorsichtig war. Sein Anker hielt nicht und sein Schiff trieb auf uns zu. Bevor er irgend etwas machen konnte, rummste es schon. Er ist mit seiner linken Scheuerleiste voll in unseren Bug gekracht. Dadurch wurde bei uns der Epoxy-Kit aufgeschlagen.
Die Schuldfrage ist klar. Das Schiff kommt aus Palermo und wir werden den nächsten Winter auch auf Sizilien sein. Unsere Werft in Riposto wird einen schönen Auftrag mehr haben. Das finanzielle regelt seine Versicherung. Hoffentlich.
Der Ankerplatz vor Vlorë ist gut geschützt und der Anker hält in dem schweren Schlamm bestens.
Wir nutzten die Zeit auch für diverse Arbeiten.
Nur, bei Wind aus Nordwest können die Wellen leicht auf einen Meter und mehr gehen. Es war ein ordentliches Gewitter angesagt, natürlich mit starkem Wind aus Nordwest. Also beschlossen wir, uns in die südwestliche Ecke der großen Bucht von Vlorë zu verdrücken.
Auf der Seekarte waren Anlagen zur Fischzucht eingezeichnet. Als wir dort ankamen mussten wir feststellen, dass es mehr Anlagen waren als eingezeichnet. Zu allem Überfluss schwammen auch noch Fischernetze dazwischen.
Vorsichtig schlichen wir zwischen Alledem durch an das hintere Ende der kleinen Bucht. Leider war das Wasser sehr tief und stieg vor den Felsen steil an. Also legten wir den Anker auf 35m Tiefe mit 85m Kette. So tief haben wir noch nie geankert.
Der Wind nahm ordentlich zu und wir sahen, wie auf der anderen Seite über Vlorë das Gewitter niederging. Als es vorbei war, gab es wunderschöne Regenbogen.
Leider hörte der Wind nicht auf und als es dunkel wurde, war es uns etwas mulmig. Wenn der Anker nicht halten sollte, hätten wir bei Nacht keine Chance, unfallfrei aus diesen unbeleuchteten Fischzuchtanlagen herauszukommen.
Der Anker hielt und gegen Mitternacht legte sich der Wind. Die Ruhe am Morgen war ein guter Grund, die Drohne steigen zu lassen.
Wie liegen einige Tage in der Bucht von Vlora vor Anker. Sie bietet, mit Ausnahme gegen Wind aus Nord-West guten Schutz und hat einen tollen Anleger für unser Dinghi.
Die Skipper der Touristenboote sind nett und passen auf unser Boot auf. Das hat man nicht überall.
Als erste Aktion haben wir eine Tour mit Quads mitgemacht.
Die Tour ging lange durch schöne Pinienwälder. Leider ist hier alles sehr verdreckt. Die Müllabfuhr funktioniert offensichtlich schlecht und die Albaner lassen ihren Abfall überall.
Es war eine abwechslungsreiche Fahrt.
Eines der Ziele war das Kloster Zvërnec. Es ist eine byzantinische Kirche aus dem 13. Jahrhundert.
Das Kloster ist auf einer kleinen Insel in der Lagune, die über einen hölzernen Steg erreichbar ist.
Leider ist auch hier viel Abfall im Wasser.
Flamingos in der Lagune
Am schönen Adria-Strand auf der anderen Seite der Lagune machten wir eine Pause.
Zurück ging es mit Hindernissen.
Nach vier Stunden Tour gab es dann etwas Ordentliches vom Grill und ein Dubbe-Bier dazu.
Wir lagen südlich des Riffs vor Anker und konnten mit dem Dinghi in die Stadt fahren.
Unser Dinghi kuschelt am Fähranleger
Wikipedia zu Budva:
Budva (kyrillisch Будва, italienisch Budua) ist eine Stadt in der gleichnamigen GemeindeMontenegros mit ca. 13.000 Einwohnern. Es ist einer der ältesten Orte an der Adria, nach alter Mythologie vor über 2500 Jahren von Kadmos, dem Sohn des griechisch–phönizischen Königs Agenor gegründet. Die Stadt wurde 1979 bei einem Erdbeben fast völlig zerstört, aber originalgetreu wieder aufgebaut. Budva ist heute vor allem ein touristischer Badeort.
Um die Mittagszeit haben wir uns beim Hafenkapitän abgemeldet und er hat unsere Crewliste zur Ausreise abgestempelt. Später sind wir um die vorgelagerte Insel herumgefahren ans Zollkai von Budva. Dort hat uns der Zoll ausklariert und wir hatten die Auflage auf direktem Weg Montenegro zu verlassen.
Übles kündigt sich an
Nach Shengjin sind es 45 Meilen und wir rechneten mit einer ruhigen Nachtfahrt. Was Wind und Welle anbelangt, war sie das auch. Aber wir bekamen stundenlangen Starkregen. Der Regen und die dicken Wolken machten die Nacht rabenschwarz. Es gab keine Sicht mehr. Der Radar ist bei dieser Situation auch sehr eingeschränkt, weil der dichte Regen fast alle Radarwellen reflektiert. Einzig das AIS zeigte uns zuverlässig einen Frachter und einen Passagierschiff, die unseren Kurs kreuzten.
Bei Nachtfahrten landen immer wieder Fische auf unseren Badeplattformen
Die Zieleinfahrt in die Bucht vor Shengjin war dann abenteuerlich. Mit keinen 30m Sicht sind wir langsam zum Strand geschlichen. Um 02:17 haben wir auf 6m Tiefe den Anker gelegt. Feierabend.
400m weg schaukelt die Silent-Sea
Wenige Stunden später, pünktlich um acht. Ich treffe Herrn Froku, den Hafenagenten. Wir hatten ihn 24 Stunden vorher per WhatsApp kontaktiert und ihm alle Papiere geschickt. Er organisiert das Einklarieren.
Währenddessen gehen wir auf seine Empfehlung in ein gutes und preiswertes Fischrestaurant. Willkommen in Albanien.
Nachdem wir die Bucht von Kotor verlassen hatten, gingen wir gestern 12 Meilen südlich von Herzeq Novi vor Anker.
Die große Bucht von Lustika war unsere Wahl weil sie gegen nördlichen Winde besten Schutz bietet. Der DWD sagte Gewitter mit kräftigen Winden aus NW voraus.
Zuerst lagen wir weit hinten vor dem Strand, wo auch andere Segler waren. Gegen 17 Uhr begann der Beachclub in extremer Lautstärke sein völlig sinnloses Tecno-Gehämmere zu verbreiten. Erfahrungsgemäß hört so etwas vor 2 Uhr nicht auf. Also sind wir weg.
Am westlichen Ausgang der großen Bucht fanden wir eine lauschige Ecke, die uns genügend Schutz versprach. Wir machten uns ein Abendessen, verbrachte einen ruhigen Abend und gingen irgendwann schlafen. Der angesagten starke NW-Wind war nicht eingetreten aber entfernt waren Blitze zu sehen.
Gegen zwei Uhr gab es einen lauten Knall. Ein Blitz hat ganz nah eingeschlagen. Kurze Zeit danach sahen wir, dass der Wald brennt. Etwa 150m von uns entfernt entwickelte sich ganz schnell ein riesiges Feuer. Angesichts der Hitze, die wir an Deck schon spürten und des Funkenfluges im Wind, war klar, dass wir schnellstens weg müssen.
Das Hochziehen des Ankers dauert etwa 1,5 Minuten. Diesmal scheinbar ewig. Endlich waren wir los und konnten Abstand gewinnen.
Also fuhren zurück zur Disko, wo mittlerweile Stille herrschte. An Land sah man die Feuerwehren herbeieilen. Das Feuer fraß sich über den Berg und kam wieder näher.
Beim ersten Licht des Tages
Wir haben dann wieder geschlafen und wurden gegen 10 Uhr vom eintreffenden Hubschrauber geweckt.
Das Boot war voll von Asche. Nach zwei Stunden waren wir wieder einigermaßen sauber und konnten nach Budva aufbrechen.