Friede im Löwengolf

Der Golfe Du Lion ist eines der stürmischsten Seegebiete der Welt. Wir kennen den Mistral, der das Rhonetal herunter bläst und bis nach Sardinien schwere See produziert, seit Jahrzehnten. Entsprechend hatten wir Respekt vor dieser Überfahrt von Spanien nach Südfrankreich. Diesmal kam es genau so, wie vorhergesagt. Es war wirklich die ganze Strecke friedlich. Ein seltenes Glück hier.

Um 2:30 sind wir ganz langsam aus der Ankerbucht vor Rosas raus geschlichen. Der Sichelmond ging gerade auf und half uns gar nicht. GPS mit elektronischer Karte, AIS und Radar – alles sehr schön. Aber einen blöden Angelkahn am Anker sieht nur ein Mensch. Die Fischernetze sind nur mit kleinen Flaggen markiert. Die sind ein gefährliches Glücksspiel. Wenn man so eines trifft und die Netzleinen sich um den Propeller wickeln, kann man stundenlang tauchen um sich davon losschneiden. Das haben wir schon mehrfach erlebt. Entsprechend hoch war die Erleichterung, als wir eine Stunde später aus der Gefahrenzone raus waren.

Am Ende waren es 130 Meilen, die wir auf ganz glattem Wasser gefahren sind. Eine Handvoll Frachter und eine Herde großer Delfine waren die einzigen Ereignisse. Bis etwa 15 Meilen vor dem Ziel.

Ich war gerade am Kochen, als plötzlich der Herd ausging und im gleichen Moment die Elektromotore auf Null gingen. Das Hochvoltsystem gab keinen Strom mehr ab. Der Generator ist von alleine angesprungen, kam aber über einen Leerlauf nicht hinaus. Das Schiff blieb stehen und wir trieben mit dem leichten Wind.

Wir machten dem Generator einen Notstopp und schalteten alle Systeme am Schiff aus. Mit war klar, dass nichts defekt ist. Ein Softwareproblem in einem der Batteriecontroller führt zu unstimmigen Werten. Das bringt den übergeordneten Computer in unlösbare Probleme und deswegen hat der alles abgeschaltet. Wie auch immer, wir haben in einer überlegten Reihenfolge das System wieder hochgefahren und sind gut angekommen.

Das Engelchen hat heute gut gearbeitet.

Ruhetag bei Seeleuten

Wie gesagt, heute Ruhetag. Und was machen Seeleute da? Bilgen putzen, Generatorraum sauber machen, Wäsche waschen, Diesel-Wasserabscheider reinigen, Außenborder vom Beiboot reparieren, Solarzellen und Fenster putzen, Seekarten aktualisieren, Rechnungen bezahlen, Beiboot festzurren, Spaghetti kochen.

Jetzt ist Feierabend. Es wird eine kurze Nacht.

Morgen um drei heben wir den Anker und starten zum 105 Meilen entfernten La Ciotat in Südfrankreich. Das ist etwas östlich von Marseille. Der Wetterdienst sagt uns eine ruhige Überfahrt voraus. Etwa die Hälfte dieser Voraussagen stimmt 😀

Rosas in der Nacht.

Zwei wuschige Tage

Gestern sind wir gegen zehn Uhr aus Port Torredembarra auslaufen. Das Wetter war schön, die See ruhig und ein leichter Wind schob uns. Eigentlich wollten wir am ersten Tag nur eine kleine Etappe von ca. 20 Meilen machen. (Eine Meile entspricht 1,852 km). Es lief aber gerade so schön mit wenig Energie aber trotzdem 7 Knoten schnell. (Ein Kn entspricht einer Meile pro Stunde). Also beschlossen wir gleich nach Barcelona zu fahren und machten erstmal ein Mittagessen. Unsere Meinung, dass der Hafen dort schon einen Platz für uns haben würde, stellte sich später als Irrtum heraus. Port Forum teilte uns mit, dass sie voll sind. Sichere Ankerplätze gibt es aber an dieser spanischen Küste nicht. Die nächste Möglichkeit war Blanes, 30 Meilen nördlich. Kurz nach Sonnenuntergang fiel unser Anker vor dem Sandstrand bei der Flussmündung.

Mittlerweile hatte der Wind ziemlich aufgefrischt und eine unangenehme Welle aufgebaut. Es wurde eine unruhige Nacht. Vor 60 Jahren war Martina mit ihren Eltern am Campingplatz an eben diesem Strand und hat in dem Fluss kleine Fische gefangen. Neben dem Campingplatz stehen jetzt viele große Häuser, die man auf dem Bild oben nicht sieht…

Heute Morgen: kurze Schwimmrunde ums Schiff, ein Kaffee und Anker hoch. Windstille und glattes Wasser. Super, in vier Stunden sind wir in Rosas. Es kam natürlich anders. Gegenwind und eine zunehmende Welle machten uns immer langsamer. Dafür flogen im Kühlschrank alle Sachen durcheinander. Aus vier waren acht Stunden geworden, als wir in der schönen Bucht von Rosas den Anker in den Sand gruben. Morgen wird ein Ruhetag eingelegt.

Heute startet die lange  Reise in die Adria

Gestern hatten wir nochmal das Schiff durchgecheckt: startet der Generator, laufen die Motoren, wird irgendetwas zu heiss? So ein Schiff hat viel Technik und so gab es viel zu tun. Zwischendurch sind wir mit unseren neuen Klapprädern zum Supermarkt und dem netten Weinladen in der Altstadt. Am Abend war klar, das Schiff ist bereit. Vor uns liegen rund 1.500 Meilen also rund 2.700km. Das Ziel ist Fano in der Adria. Warum ausgerechnet dorthin erzählen wir später mal. Heute Morgen also ein schneller Kaffee, nochmal Wasser vom Hafen in einen der Tanks und schon ging es durch den Hafen zur Tankstelle. Ja, wir sind ein Solarschiff, aber Diesel brauchen wir trotzdem. Um zehn Uhr war alles erledigt. Nur noch durch die enge Hafeneinfahrt und schon liegt das Meer vor uns.