Klima retten oder was?

Wenn man das so sieht, steigt die Motivation, mal kurz nachzuschauen:

 So ist der Schiffsverkehr auf den Weltmeeren schon heute für circa 2,6 Prozent der klimaschädlichen globalen ⁠CO2⁠-Emissionen verantwortlich. 2015 betrugen diese ca. 932 Millionen Tonnen CO2 (ICCT Report 2017, S. 14). Das sind mehr als die gesamten Emissionen Deutschlands im Jahre 2019 in Höhe von 810 Millionen Tonnen CO2-Equivalente (2020). Schätzungen deuten darauf hin, dass ohne politische Gegenmaßnahmen die CO2-Emissionen des Seeverkehrs in Abhängigkeit von der ökonomischen Entwicklung bis 2050 sogar um 50 bis 250 Prozent (1.407 bis 2.345 Mio. Tonnen) im Vergleich zu 2012 (938 Mio. Tonnen) ansteigen könnten (Third IMO GHG Study 2014).

https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/meere/nutzung-belastungen/schifffahrt#fakten-zur-seeschifffahrt-und-zu-ihren-auswirkungen-auf-die-umwelt

… Das sind mehr als die gesamten Emissionen Deutschlands…

Schon seit Jahrzehnten hätte man hier ansetzen können. Statt dessen werden die kleinen Leute mit oft sinnlosen Verboten und Regeln malträtiert. Zum Beispiel mit Umweltzonen und Fahrverboten in Hamburg direkt neben dem Hafen. Und nebenbei wird die Grundlage unseres Wohlstands zerstört.

Ist unsere „Klimapolitik“ wirklich zielführend oder geht es um etwas ganz anderes?

Populonia

Gestern erreichten wir Populonia, gegenüber vom schönen Elba. Populonia ist eine uralte Siedlung, die zwischen dem 7. und 4. Jahrhundert vor Christus eine wichtige Stadt der Etrusker war. In der Bucht von Baratti legten wir unseren Anker auf 5m Wassertiefe vor einen der schönsten Strände der Toskana.

Baratti

Direkt hinter dem Strand ist eine große Ausgrabungsstätte. Man kann 2.700 Jahre alte Grabstätten sehen sowie Ausgrabungen der Anlagen zur Eisenverhüttung, welche die Etrusker schon 700 vor Christus betrieben haben. Trotz der großen Hitze haben wir uns auf den Rundgang gemacht.

Eine von vielen Grabkammern
Gräber im Steinbruch
Eine gemütliche Gruft der Etrusker

Das Eisenerz haben Sie vom nahe gelegenen Elba geholt. Unweit der Stadt Portoferraio, auf deutsch Eisenhafen, haben sie das Eisenerz abgebaut und mit Schiffen zu diesem Strand gebracht. Hinter dem Strand von Baratti wurde aus dem Erz das Eisen gewonnen und teilweise in Schmieden gleich zu Produkten verarbeitet.

Portoferraio auf Elba

Später haben sich die Etrusker mit den Römern verbündet. So kam es, dass das römische Heer mit Eisen aus Populonia ausgerüstet wurde. Dieser Industriestandort lebt bis heute fort. Nur wenige Km entfernt liegt das moderne Stahlwerk Piombino.

Wieder am Schiff machten wir uns ein leckeres Abendessen und genossen den ruhigen Abend.

So wird sogar die Arbeit am Jahresabschluss erträglich.

Nachtfahrt nach Portofino

Wir haben uns entschieden, noch in der Nacht auf Dienstag den Hafen zu verlassen. So wollten wir das ruhige Wetter nutzen und den Tag in Rapallo oder Portofino nutzen. Um 22 Uhr machten wir die Leinen los und verabschiedeten uns per Funk beim Hafen.

Leise gleiten wir in die Nacht.

Langsam erblassten die Lichter von Imperia und wurden abgelöst von denen von Savona. Bei uns herrschte weitgehend Stille. Nur das Rauschen des Wassers unserer Propeller. Darüber lag ein leises BumBumBum-TockelTockelTockel der Diskotheken an Land – mehr als zehn Meilen weit entfernt. Was tun sich die Menschen dort an …

Gegen drei Uhr konnte man Genua erahnen. Nach sechs Uhr kündigte die Sonne den neuen Tag an.

Land in Sicht.

Auf den Massentrubel in Rapallo oder Portofino hatten wir dann doch keine Lust. Deswegen hielten wir uns ein bißchen nördlicher.

San Fruttuso wird sichtbar

Um acht Uhr machten wir an einer Boje vor dem Kloster San Fruttuso fest.

Kostenlose Bojen San Fruttuso

Wir genossen einen gemütlichen Tag mit Schwimmen, Paddeln und Spaziergang an Land.

San Fruttuso am Strand

Imperia

In Imperia haben wir in 2005 unsere Fastnet-Lady gekauft. Über dieses gute Schiff wollen wir hier aber nicht erzählen.

Imperia wurde für uns zu einer zweiten Heimat. Von hier aus haben wir dreizehn Jahre lang viele schöne Törns gemacht. Korsika und Sardinien waren unsere Ziele im Sommer. Um Silvester waren wir oft mit Pietro und Daniela an der Côte d’Azur.

Im Stadtteil Onelia

Im Frühjahr 2018 haben wir unseren Liegeplatz in Imperia aufgegeben und starteten unsere große Reise. Ohne Heimathafen gab es keinen eingrenzenden Radius mehr. Wir waren damals nach Osten aufgebrochen und sind den Stiefel runter. Nach Malta, rund Sizilien, rüber nach Griechenland, durch die Dardanellen nach Istanbul, von dort bis nach Poti in Georgien und zurück bis nach Rhodos im Süden Griechenlands.

Piazza Sant‘ Antonio

Dann kam Corona und wir waren froh, in diesen zwei Jahren die Ägäis erkunden zu dürfen. In 2022 haben wir in Lavrion bei Athen unsere geliebte Fastnet Lady verkauft. Jetzt kamen wir mit einem ganz anderen Schiff von Osten aus Spanien wieder nach Imperia zurück. Ein guter Grund, hier ein paar Tage zu bleiben.

Angeblich das beste Eis in Ligurien

Und was macht der Skipper im Hafen? Er repariert eine Computerplatine, die an einem Stromschlag gestorben ist.

Jetzt werden unsere aktuellen Schiffsdaten wieder in die Cloud übertragen.

Im Hafen von Imperia

In der Nacht auf Dienstag haben wir Imperia verlassen und sind 60 Meilen nach Osten gefahren.

Port Gros

Vor vierzig Jahren begannen wir die Segelei. Zwei Jahre waren wir Chartergäste und ‚Mitsegler‘. Unser Skipper war groß in seiner Unfähigkeit. Wir standen vor der Wahl, entweder aufzuhören oder selber Skipper zu werden. Wir entschieden uns für Letzteres.

Begleitend zu unserem durchaus anstrengendem Berufs- und Familienleben haben wir nebenbei eine qualifizierte Ausbildung erarbeitet. Martina und ich haben fast alle Scheine, die man machen kann. Dazu haben wir Sonderkurse bei der Bundesmarine und dem DSV gemacht.

In den folgenden 15 Jahren haben wir regelmäßig Segelschiffe gechartert. Meistens in Südfrankreich in Le Lavandou oder Bormes les Mimosas. Von dort aus ist es nur ein Katzensprung zur Insel Port Gros. Nach 1000 km Autofahrt haben wir die Schiffe übernommen und sind gleich rüber zur liebenswerten Insel Port Gros. Hier war immer unser Absprung nach Korsika und zum freien Leben.

Gestern lag Port Gros auf unserer Route und wir machten an einer Boje fest. Es war sehr schön, wieder da zu sein.

Wie fühlt sich ein Elektroantrieb an?

Ein batterie-elektrischer Antrieb auf einem Schiff unserer Größe ist neu. Wir erzählen euch unter verschiedenen Aspekten über diese Antriebsform. Heute schauen wir mal, wie sich das Fahren anfühlt.

Herkömmliche Yachten werden mit Dieselmotoren angetrieben. Oft haben die Schiffe zwei Motoren und zwei Propeller. Zum Einen dient das der Sicherheit, weil man bei einem Motorschaden immer noch einen Motor hat, um sicher in einen Hafen zu kommen. Zum Anderen kann man mit zwei Propellern im Hafen auf engem Raum gut manövrieren. Wenn man die Propeller gegenläufig drehen lässt, kann man sogar auf der Stelle drehen. Katamarane haben immer zwei Motore. In jedem Rumpf einen.

Bei uns ist das genauso, nur dass wir in jedem Rumpf einen Elektromotor haben. Diese laufen sehr leise und produzieren keine Abgase. Das fühlt sich sehr gut an.

Wir fahren mit 6,5 Knoten. Vorne am Bug hört man nur ein leises Plätschern.

Am Heck rauscht das Wasser, das von den Propellern angetrieben wird.

Das Schiff wird vom Autopiloten gesteuert. Man muss aber ständig Ausschau halten. Dafür haben wir eine perfekte Rundumsicht.

Einen Teil unseres Solardachs können wir hydraulisch nach oben heben. Dann können wir auch oben sitzen und steuern. Dort ist es besonders ruhig.

Hier fahren wir mit wenig Motorleistung 4,5 Knoten. Kurz zuvor hatten wir kurz angehalten und dem Segler Platz gemacht. Der fährt mit seinem bunten Gennacker etwa drei Knoten schnell.

Das Fahren mit elektrischem Antrieb ist sehr angenehm; Leise und ohne Abgase. Eines muss aber auch gesagt werden: So ein Antrieb ist nur etwas für Leute mit Segler-Mentalität. Motorbootfahrer, die lieber 100l Diesel pro Stunde oder mehr verbrennen, werden mit einem Elektroschiff eher nicht glücklich.

Woher der Strom kommt schauen wir uns demnächst an.

Friede im Löwengolf

Der Golfe Du Lion ist eines der stürmischsten Seegebiete der Welt. Wir kennen den Mistral, der das Rhonetal herunter bläst und bis nach Sardinien schwere See produziert, seit Jahrzehnten. Entsprechend hatten wir Respekt vor dieser Überfahrt von Spanien nach Südfrankreich. Diesmal kam es genau so, wie vorhergesagt. Es war wirklich die ganze Strecke friedlich. Ein seltenes Glück hier.

Um 2:30 sind wir ganz langsam aus der Ankerbucht vor Rosas raus geschlichen. Der Sichelmond ging gerade auf und half uns gar nicht. GPS mit elektronischer Karte, AIS und Radar – alles sehr schön. Aber einen blöden Angelkahn am Anker sieht nur ein Mensch. Die Fischernetze sind nur mit kleinen Flaggen markiert. Die sind ein gefährliches Glücksspiel. Wenn man so eines trifft und die Netzleinen sich um den Propeller wickeln, kann man stundenlang tauchen um sich davon losschneiden. Das haben wir schon mehrfach erlebt. Entsprechend hoch war die Erleichterung, als wir eine Stunde später aus der Gefahrenzone raus waren.

Am Ende waren es 130 Meilen, die wir auf ganz glattem Wasser gefahren sind. Eine Handvoll Frachter und eine Herde großer Delfine waren die einzigen Ereignisse. Bis etwa 15 Meilen vor dem Ziel.

Ich war gerade am Kochen, als plötzlich der Herd ausging und im gleichen Moment die Elektromotore auf Null gingen. Das Hochvoltsystem gab keinen Strom mehr ab. Der Generator ist von alleine angesprungen, kam aber über einen Leerlauf nicht hinaus. Das Schiff blieb stehen und wir trieben mit dem leichten Wind.

Wir machten dem Generator einen Notstopp und schalteten alle Systeme am Schiff aus. Mit war klar, dass nichts defekt ist. Ein Softwareproblem in einem der Batteriecontroller führt zu unstimmigen Werten. Das bringt den übergeordneten Computer in unlösbare Probleme und deswegen hat der alles abgeschaltet. Wie auch immer, wir haben in einer überlegten Reihenfolge das System wieder hochgefahren und sind gut angekommen.

Das Engelchen hat heute gut gearbeitet.

Ruhetag bei Seeleuten

Wie gesagt, heute Ruhetag. Und was machen Seeleute da? Bilgen putzen, Generatorraum sauber machen, Wäsche waschen, Diesel-Wasserabscheider reinigen, Außenborder vom Beiboot reparieren, Solarzellen und Fenster putzen, Seekarten aktualisieren, Rechnungen bezahlen, Beiboot festzurren, Spaghetti kochen.

Jetzt ist Feierabend. Es wird eine kurze Nacht.

Morgen um drei heben wir den Anker und starten zum 105 Meilen entfernten La Ciotat in Südfrankreich. Das ist etwas östlich von Marseille. Der Wetterdienst sagt uns eine ruhige Überfahrt voraus. Etwa die Hälfte dieser Voraussagen stimmt 😀

Rosas in der Nacht.

Zwei wuschige Tage

Gestern sind wir gegen zehn Uhr aus Port Torredembarra auslaufen. Das Wetter war schön, die See ruhig und ein leichter Wind schob uns. Eigentlich wollten wir am ersten Tag nur eine kleine Etappe von ca. 20 Meilen machen. (Eine Meile entspricht 1,852 km). Es lief aber gerade so schön mit wenig Energie aber trotzdem 7 Knoten schnell. (Ein Kn entspricht einer Meile pro Stunde). Also beschlossen wir gleich nach Barcelona zu fahren und machten erstmal ein Mittagessen. Unsere Meinung, dass der Hafen dort schon einen Platz für uns haben würde, stellte sich später als Irrtum heraus. Port Forum teilte uns mit, dass sie voll sind. Sichere Ankerplätze gibt es aber an dieser spanischen Küste nicht. Die nächste Möglichkeit war Blanes, 30 Meilen nördlich. Kurz nach Sonnenuntergang fiel unser Anker vor dem Sandstrand bei der Flussmündung.

Mittlerweile hatte der Wind ziemlich aufgefrischt und eine unangenehme Welle aufgebaut. Es wurde eine unruhige Nacht. Vor 60 Jahren war Martina mit ihren Eltern am Campingplatz an eben diesem Strand und hat in dem Fluss kleine Fische gefangen. Neben dem Campingplatz stehen jetzt viele große Häuser, die man auf dem Bild oben nicht sieht…

Heute Morgen: kurze Schwimmrunde ums Schiff, ein Kaffee und Anker hoch. Windstille und glattes Wasser. Super, in vier Stunden sind wir in Rosas. Es kam natürlich anders. Gegenwind und eine zunehmende Welle machten uns immer langsamer. Dafür flogen im Kühlschrank alle Sachen durcheinander. Aus vier waren acht Stunden geworden, als wir in der schönen Bucht von Rosas den Anker in den Sand gruben. Morgen wird ein Ruhetag eingelegt.

Heute startet die lange  Reise in die Adria

Gestern hatten wir nochmal das Schiff durchgecheckt: startet der Generator, laufen die Motoren, wird irgendetwas zu heiss? So ein Schiff hat viel Technik und so gab es viel zu tun. Zwischendurch sind wir mit unseren neuen Klapprädern zum Supermarkt und dem netten Weinladen in der Altstadt. Am Abend war klar, das Schiff ist bereit. Vor uns liegen rund 1.500 Meilen also rund 2.700km. Das Ziel ist Fano in der Adria. Warum ausgerechnet dorthin erzählen wir später mal. Heute Morgen also ein schneller Kaffee, nochmal Wasser vom Hafen in einen der Tanks und schon ging es durch den Hafen zur Tankstelle. Ja, wir sind ein Solarschiff, aber Diesel brauchen wir trotzdem. Um zehn Uhr war alles erledigt. Nur noch durch die enge Hafeneinfahrt und schon liegt das Meer vor uns.